01
Zusammenhang der Parameter
🌡️
Temperatur
Beeinflusst alle anderen Parameter. Wärmeres Wasser = schnellere Reaktionen, aber auch schnellerer Chlorabbau.
⚗️
pH-Wert
Steuert wie wirksam das Chlor tatsächlich desinfiziert. Der wichtigste Einflussfaktor auf die Chlorwirkung.
💧
Freies Chlor
Die tatsächlich vorhandene Desinfektionsmittelmenge. Erst zusammen mit dem pH-Wert aussagekräftig.
⚡
Redox
Zeigt die „Desinfektionskraft" als Gesamtbild. Berücksichtigt Chlor, pH und alle weiteren Oxidationsmittel.
Warum das alles zusammenhängt: Bei pH 7,0 liegt etwa 75 % des Chlors als wirksame Hypochlorsäure (HOCl) vor. Bei pH 7,6 sind es nur noch ca. 50 %. Gleiche Chlorkonzentration, aber halb so viel Desinfektionskraft – nur wegen des pH-Werts. Die Redox-Spannung bildet dieses Zusammenspiel ab: Sie steigt, wenn der pH niedrig und das Chlor hoch ist. DIN 19643 schreibt deshalb vor: Cl₂ min. 0,3 mg/l · pH 6,5–7,6 · Redox > 750 mV.
02
Kalibrierung – Schritt für Schritt
Wichtig vorab: Die Hold-Funktion unter System → System → Hold-Funktion auf „Ein" stellen. Das verhindert fehlerhafte Regelsignale während der Kalibrierung.
🔄 monatlich empfohlen
Schritt 1 – Nullpunkt
- Messwasserzulauf absperren (Kugelhahn schließen)
- Warten bis Wert stabil bei 0,00 mg/l (ca. 1–5 Minuten)
- „Übernehmen" drücken → Nullpunkt gespeichert
- Kugelhahn wieder öffnen
Schritt 2 – Span (DPD-Abgleich)
- Wasserprobe an der Probeentnahme-Einheit entnehmen
- Chlorgehalt mit DPD1-Methode bestimmen
- Gemessenen Wert eingeben und bestätigen
Hinweis: Nullpunkt und DPD-Abgleich sind zwei separate Schritte – beide müssen durchgeführt werden.
🔄 monatlich empfohlen
Schritt 1 – pH 7 Abgleich (Nullpunkt)
- pH-Sensor aus dem Zellenkörper herausziehen
- Becher mit pH 7,00 Pufferlösung in untere Halteklammer
- Sensor min. 2 cm eintauchen, leicht bewegen bis stabil
- „pH 7" antippen und Wert bestätigen
Schritt 2 – pH 4,65 Abgleich (Steilheit)
- Sensor mit destilliertem Wasser abspülen
- Pufferlösung wechseln auf pH 4,65
- Eintauchen, warten, Wert eingeben
- Sensor zurück in den Zellenkörper einsetzen
Druckfeste Ausführung: Kugelhähne schließen und Druck über Probeentnahme-Einheit ablassen!
📅 bei Auffälligkeiten / halbjährlich
- Redox-Sensor aus dem Zellenkörper herausziehen
- Becher mit Kalibrierlösung 478 mV einsetzen
- Sensor min. 2 cm eintauchen, leicht bewegen
- Warten bis Wert stabil ist (mehrere Minuten)
- Wert 478 eingeben und bestätigen
- Sensor zurück in den Zellenkörper
Hinweis: Die Redox-Elektrode braucht nach Kalibrierung ca. 2 Stunden Einlaufzeit.
📅 bei Auffälligkeiten
- Temperatur mit geeichtem Referenzthermometer messen
- Im Menü den gemessenen Referenzwert eingeben
- Mit Eingabetaste bestätigen
Hinweis: Einfacher Offset-Abgleich. Der Sensor sitzt im Chlor-Messmodul.
03
Sondendiagnose – Ist die Sonde noch gut?
Grundregel: Die gespeicherten Kalibrierungswerte zeigen nur den Zustand zum Zeitpunkt der letzten Kalibrierung. Eine sichere Aussage über den aktuellen Zustand ist nur durch eine neue Kalibrierung oder eine Vergleichsmessung möglich.
| Sonde | Was prüfen? | Gut ✓ | Grenzwertig ⚠ | Defekt ✗ |
| pH | Nullpunkt Rohsignal bei pH 7 | ±30 mV | ±30–100 mV | > ±100 mV |
| pH | Span mV pro pH-Schritt | 55–65 mV/pH | 46–55 mV/pH | < 46 mV/pH |
| Chlor | Nullpunkt µA ohne Messwasser | ±5 µA | ±5–10 µA | > ±10 µA |
| Chlor | Span (DPD) Abgleich mit Photometer | Abw. <5% | Abw. 5–10% | Kalibrierung schlägt fehl |
| Redox | Offset vs. 478 mV Lösung | ±20 mV | ±20–50 mV | > ±50 mV |
| Temperatur | Offset vs. Referenzthermometer | ±0,5 °C | ±0,5–2 °C | > ±2 °C |
pH-Sonde: Span-Wert in der Praxis
Ideal59 mV/pH
Noch gut46–70 mV/pH
Alternd35–46 mV/pH
Tauschen< 35 mV/pH
Rechenbeispiel: Bei Kalibrierung mit pH 7 und pH 4,65 (= 2,65 Schritte) sollte die Gesamtdifferenz zwischen 122 mV und 185 mV liegen. Ideal: ~156 mV.
Schnellcheck vor Ort ohne Kalibrierung:
Hauptanzeige → Sonde antippen → „Kalibrierung" → gespeicherte Werte ablesen. Das live Zellensignal (µA/mV) ist immer aktuell. Zusammen mit einer Handmessung (DPD/pH-Koffer) lässt sich der Zustand gut einschätzen.
04
Adaption – Automatische Regelparameter
Was ist die Adaption? Die Adaptionsfunktion ermittelt automatisch die optimalen Regelparameter Xp (Proportionalbeiwert) und Tn (Nachstellzeit) für den Chlorregler. Sie gilt ausschließlich für freies Chlor.
- Chloranlage wird auf 0 % gefahren
- Warten bis Istwert unter 20 % des Endwertes fällt
- Chloranlage auf 100 % hochfahren
- Streckentotzeit Tu messen (Zeit bis Reaktion erkennbar)
- Streckenanstiegszeit Ts messen (Zeit bis 50 % des Endwertes)
- Regelparameter Xp und Tn berechnen
- Chloranlage wieder auf 0 % → Automatikbetrieb
Dauer: Bis zu 13 Stunden je nach Regelstrecke. Keine Störungen während der Adaption (keine Filterrückspülung, keine Umwälzungsänderung)!
- Bei hoher Frischwasserzugabe
- Bei nicht eingelaufener Messzelle
- Während Filterrückspülungen
- Bei wechselnder Umwälzleistung
- Während Hochchlorung
- Bei stark schwankendem Badebetrieb
Voraussetzungen: Kalibrierte Cl₂-Messung, Dosierpumpe auf Automatik, Streckentotzeit < 60 min, Streckenanstiegszeit < 480 min.
Wichtig: Bricht die Adaption mit „ADAPTION?" ab, bleiben die alten Parameter Xp und Tn unverändert erhalten. Die Ursache beheben und Adaption neu starten. Die ermittelten Werte sind als Empfehlung für die Erstinbetriebnahme zu betrachten – für optimale Regelqualität können sie manuell nachoptimiert werden.
05
Hoch- und Stoßchlorung
🕐 zeitgesteuert / automatisch
Zweck
Sicherstellt die Beckenhygiene bei niedrigen Chlorwerten und verhindert Algenwachstum. Ergänzung zur CEDOX-Regelung.
Einstellmöglichkeiten
- Bis zu 3 Schaltzeitpunkte frei programmierbar
- Intervall wählbar: täglich, wöchentlich, 2-, 3- oder 4-wöchentlich
- Hochchlor-Sollwert frei definierbar (auch über Messbereich)
- Max. Verzögerung: Zeitlimit zum Erreichen des Sollwertes
- Alarme und Gesamtchlor-Regelung können während Hochchlorung abgeschaltet werden
Sicherheit: Wird der Hochchlor-Sollwert innerhalb der max. Verzögerungszeit nicht erreicht, bricht das Gerät ab und zeigt „Hochchlorung?" an.
🖐 manuell bei Bedarf
Zweck
Hohe Desinfektionskapazität bei erhöhter mikrobiologischer Belastung im Becken.
Voraussetzungen & Ablauf
- pH-Wert muss im Bereich pH 6,0 – 7,0 liegen
- Sollwert und Dauer einstellen → Start drücken
- Dosierung startet mit voller Leistung, dann geregelt
- Nach Ende: Filterrückspülung durchführen
- Badebetrieb erst wieder wenn Chlor und pH im zulässigen Bereich
Achtung: Stoßchlorung immer außerhalb des Badebetriebes durchführen! Becken erst wieder freigeben wenn alle Werte im Normbereich liegen.
| Merkmal | Hochchlorung | Stoßchlorung |
| Auslösung | Automatisch / zeitgesteuert | Manuell bei Bedarf |
| Zweck | Hygiene & Algenprävention | Akute mikrobiol. Belastung |
| pH-Voraussetzung | DIN-Bereich | pH 6,0 – 7,0 |
| Badebetrieb | Möglich (wenn Werte OK) | Gesperrt bis Normbereich |
| Nach Abschluss | Normal weiter | Filterrückspülung empfohlen |
06
Fehlermeldungen & Abhilfe
Es gibt quittierbare Fehler (verschwinden nach ACK-Button im Systemmenü) und nicht quittierbare Fehler (verschwinden erst wenn die Ursache behoben ist).
| Fehlermeldung | Ursache | Abhilfe | Typ |
| maximale Dosierzeit? |
Sollwert trotz 100% Dosierung nicht erreicht |
Chemikalienbehälter prüfen, Dosierpumpe prüfen |
quittierbar |
| ADAPTION? |
Adaption mit Fehler abgebrochen |
Ursache beheben, Adaption neu starten |
quittierbar |
| Hochchlorung? |
Hochchlor-Sollwert nicht in max. Verzögerungszeit erreicht |
Max. Verzögerung erhöhen oder höheren Messbereich wählen |
quittierbar |
| Messwert blinkt |
Messwert außerhalb des Messbereichs |
Messbereich prüfen/anpassen, Dosierung prüfen |
nicht quittierbar |
| Messwasser STOP |
Messwasserdurchfluss zu gering (< 33 l/h) |
Vorfilter reinigen/wechseln, Sensor prüfen |
nicht quittierbar |
| Zelle? |
Sensor nicht eingeschraubt, Sandreinigung fehlt oder Sensor defekt |
Sensor korrekt einschrauben, Sandreinigung prüfen, Sensor tauschen |
nicht quittierbar |
| DPD? Steilheitsfehler |
Mindest-Stromdifferenz nicht erreicht, pH > 8, verschmutzter Sensor |
Sensor reinigen, pH prüfen, Upot kontrollieren |
nicht quittierbar |
| Kalibrierung pH7? |
Nullpunkt außerhalb ±100 mV oder Steilheit außerhalb 46–70 mV/pH |
Elektrode prüfen, Pufferlösungen erneuern, ggf. Elektrode tauschen |
nicht quittierbar |
| Stellmotor blinkt weiß |
Stellmotor im Handbetrieb |
Verstellknopf am Stellmotor einrasten (Automatik) |
nicht quittierbar |
| Stellmotor blinkt rot |
Leitungsbruch, Kurzschluss oder defektes Rückmeldepoti |
Stellmotor austauschen |
nicht quittierbar |
Regler STOP: Bei aktivem Regler STOP sind alle Reglerausgänge abgeschaltet – Stellmotor zugefahren, alle Dosierpumpen aus, stetige Regler auf 0%. Ausgelöst z.B. durch Messwasser STOP oder wenn die Umwälzung abgeschaltet wird.
07
Wartungsintervalle
Wichtig: Die Mängelhaftung kann nur gewährt werden wenn die Wartung wie angegeben durchgeführt wird. Nur autorisiertes Elektro-Fachpersonal darf das Gehäuse öffnen.
| Intervall | Aufgabe | Hinweis |
| monatlich |
Kalibrierung aller Sensoren (Chlor, pH) |
Hold-Funktion aktivieren, DPD-Vergleichsmessung erforderlich |
| halbjährlich |
Redox-Kalibrierung, Sichtprüfung aller Komponenten |
2 Stunden Einlaufzeit nach Redox-Kalibrierung einplanen |
| jährlich |
SD-Speicherkarte wechseln |
Vorher: Einstellungen über Parameter Transfer exportieren! |
| nach 5 Jahren |
Batterie wechseln (Typ: CR1632) |
Batterie puffert Echtzeituhr bei Stromausfall. Nicht in den Hausmüll! |
| bei Bedarf |
Sicherungen F1/F2 auf A&C-Board prüfen/wechseln |
Gerät vorher spannungsfrei schalten |
| bei Bedarf |
Gehäuse reinigen |
Nur feuchtes Tuch mit neutralem Reiniger – kein Spiritus, kein Scheuermittel! |
SD-Karte wechseln – Ablauf:
1. USB-Stick einstecken → Parameter Transfer (Export)
2. Archivdaten exportieren
3. Gerät spannungsfrei schalten
4. Abdeckung SD-Slot nach rechts schieben, Karte tauschen
5. Einschalten → Parameter Transfer (Import)
6. Alle Einstellungen prüfen
Batterie wechseln – Hinweise:
Typ: CR1632 Lithium-Knopfzelle
Nach dem Wechsel Datum und Uhrzeit neu einstellen.
Altbatterien nicht in den Hausmüll – einer Sammelstelle zuführen!
Batterie nicht verbrennen oder kurzschließen!
08
Kurzübersicht – DIN 19643 Grenzwerte
| Parameter | Minimum | Optimal | Maximum | Einheit |
| Freies Chlor | 0,3 | 0,4–0,5 | 0,6 | mg/l |
| Gebundenes Chlor | – | < 0,1 | 0,2 | mg/l |
| pH-Wert | 6,5 | 7,0–7,2 | 7,6 | pH |
| Redox | > 750 | 780–820 | – | mV |
| Temperatur | – | 26–28 | 36 | °C |
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